Nachruf
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ILA
Prof. Norbert Rob Schittek
*07.Mai 1946 – gest. 05.Dezember 2025
Es ist ein heißer Sommertag am Nordwestende von Nordjylland. Ein hochgewachsener Mann im schwarzen Anzug steht am Spülsaum kurz vor Skagen und schaut auf die Weite der Nordsee. Daneben toben zwei Kinder und eine Frau in den Wellen. Eigentlich kennt man nur einen Menschen, dem man diesen Freizeitdress im Sommerurlaub zuschreibt. Und richtig. Es ist Norbert Schittek, Professor für Darstellung an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover. Schittek liebte diesen Ort. Ein Kraftort, an dem seit Jahrhunderten Kunst entstand, auch seine.
Norbert Schittek verbrachte regelmäßig auch als Professor Zeit an diesen besonderen Landstrich und lehrte Studierende hier den Umgang mit Perspektive, Gestaltung und experimentellem Entwerfen. Die Exkursionen, Workshops und seine Lehre im Atelier haben Mut gemacht und Selbstvertrauen gesät, Büros zu gründen, die heute sehr namhaft sind.
Norbert Schittek war ein scharfsinniger Beobachter, seine Kritik war deutlich, manchmal gefürchtet, aber immer wertschätzend.
Er vermittelte, dass die Regeln der Gestaltung die Grundlage sind, auf der experimentellen Arbeiten aufbauen muss. Er selbst war ein guter Entwerfer und vielfach preisgekrönter zwei- und dreidimensionaler Künstler und Bildhauer. Schittek mochte es, mit Menschen zu arbeiten, auch bei seinen eigenen Werken. Er begann 1991 bis 1996 seine Tätigkeit am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur. Schon in dieser Zeit wusste jeder, dass Schittek auch ein Mann der Tat war. Da es keinen geeigneten Seminarraum gab, sorgten Prof. Dr. Günther Nagel gemeinsam mit Norbert Schittek dafür, dass aus einem Heuboden über dem historischen Pferdestall in der Nordstadt ein Seminarraum, Atelier oder Kreativwerkstatt mit gut ausgestatteten Arbeitsmöglichkeiten entstand. Nicht nur die Studierenden liebten diese Räumlichkeiten und lebten sich in der Darstellung, Fotografie und im Modellbau aus. Ein frischer Wind wehte dank ihm durch die geschichtsträchtigen Hallen und das Lehrgebiet Darstellung. 2000 kehrte er nach einem Ausflug an die Fachhochschule Holzminden und die Universität Gesamthochschule Paderborn nach Hannover zurück. Er wurde nun als Professor für Gestaltung und Darstellung an die Leibniz-Universität Hannover berufen. Hier blieb er bis zu seinem Ausscheiden 2011.
Für unsere Profession der Landschaftsarchitekten setzte er, um nur eins seiner zahlreichen Arbeiten für Hannover herauszugreifen, gemeinsam mit Katrin Volk, ein besonderes Projekt um. Es ist als Grüner Ring bekannt. Landmarken in Blau markieren besondere Orte und die vielfältigen Landschaftsräume und sind ringförmig um Hannover und seine Naherholungsgebiete angeordnet. Diese Arbeit verbindet ganz bewusst die Facetten unseres gesamten Studiengangs und sind nach wie vor ein attraktives Ausflugsziel, dass auch abschnittsweise erlebbar ist.
Für Kolleg*innen war Norbert ein geschätzter, hilfsbereiter Kollege, mit dem es sich gut zusammenarbeiten und die Lehre vorantreiben ließ. Er wurde einmal so beschrieben: “Ein Künstler, der Kunst und Wissenschaft zusammen gedacht und gelehrt hat und zusammenführen konnte.“ Und das trifft es perfekt. Er war ein Macher und spielte gemeinsam mit Joachim Wolschke-Bulmahn eine maßgebliche Rolle in der Entstehungsphase des Vorläufers des CGL, dessen Vorstandsvorsitzender er im ersten Jahr war. Damals hieß es "Forschungsstelle für Gartenkunst und experimentelle Landschaftsarchitektur". Beide Professoren konnten sich in den Forschungsgebieten wunderbar ergänzen.
Wir sind froh und sehr dankbar, einen Kollegen wie ihn hier in unserer Mitte gehabt zu haben und gedenken seiner zahlreichen Spuren, die er uns hinterlassen hat.
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