Institut für Landschaftsarchitektur Lehr- und Forschungsgebiete Geschichte der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege Aktuelles
Plädoyer für's Sammeln: Vor- und Nachlässe von Landschaftsarchitekt:innen mit Fachwissen aufnehmen

Plädoyer für's Sammeln: Vor- und Nachlässe von Landschaftsarchitekt:innen mit Fachwissen aufnehmen

© Dr. Hedda Saemann
Round Table-Gespräch zu "Landschaftsarchitektur, Grünplanung und Gartendenkmalpflege als Sammlungsgegenstand?"

Vertreter:innen der Denkmalpflege und des Archivwesens haben sich bei der Jahrestagung 2026 der „Föderation deutschsprachiger Architektursammlungen“ in Hannover für das fachkundige Sammeln von Vor- und Nachlässen von Landschaftsarchitekt:innen in den beteiligten, vornehmlich der Architekturgeschichte verpflichteten Institutionen ausgesprochen. Voraussetzung dafür seien allerdings professionsbezogene Kompetenzen, um die jeweiligen Berufsmaterialien kritisch einordnen zu können. Das Eingliedern solcher Deposita in Archive hänge außerdem von Provenienzen, vom Selbstverständnis der Einrichtungen und nicht zuletzt von Raumressourcen ab.

Bei einem Round Table-Gespräch an der Technischen Informationsbibliothek Hannover (TIB) am Freitag, den 28. August 2026, bekräftigten sie, dass das berufliche Erbe von Landschaftsarchitekt:innen nicht nur Wissen der Vergangenheit speichere. Es sei auch nutzbar für aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der modernen Freiraumgestaltung sowie der Gartendenkmalpflege.

Teilnehmende waren Dr. Katja Leiskau, Leiterin des Archivs am Deutschen Architektur Museum in Frankfurt am Main, die Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD), Dr. Christina Krafczyk, Dr. Christoph Hölzl, Leiter des Archiv für Bau.Kunst.Geschichte an der Universität Innsbruck, und die Geschäftsführerin des Zentrums für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (CGL) an der Leibniz Universität, Elisabeth Weymann. Das Gespräch moderierte der Architekturhistoriker und Ausstellungskurator Dr. Hans-Dieter Nägelke, Sprecher der Föderation mit insgesamt 33 Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bereitschaft ist vorhanden, manche Probleme stellen sich in den Weg

Die grundsätzliche Offenheit, Deposita von Landschaftsgestalter:innen aufzunehmen, treffe allerdings auf sammlungspolitische Grenzen und mangelnde Platzkapazitäten, sagten Leiskau und Hölzl. Weder im Deutschen Architekturmuseum noch im Innsbrucker Archiv gebe es derzeit entsprechende vollständige Nachlässe. Um Materialien verschiedener Quellengattungen ‚grüner‘ Architekt:innen fachlich zufriedenstellend zu erschließen, würde sicherlich Expert:innenwissen nötig sein. Oder man verweise angebotene Bestände an spezialisierte Einrichtungen wie das Institut für Landschaft und Freiraum an der Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil oder das CGL in Hannover.

Auch Nägelke unterstützte die Bedingung notwendiger Expertise und berichtete in einem Negativbeispiel von der Sammlung der Landschaftsarchitektin und langjährigen Professorin Herta Hammerbacher (1900–1985), die sich im Archiv der Technischen Universität in Berlin befindet. Zahlenkennzeichnungen auf ihren vielen Pflanzplänen seien heute nicht mehr zu verstehen, weil man die dazugehörigen Akten nicht mitüberliefert hatte. Sachkundige Übernahmen, die es in diesem Fall nicht gab, seien wichtig, denn sie bestimmten spätere Quellenwerte.

Vor- und Nachlässe mit Aussagekraft für Gestern und Morgen 

Weymann zufolge haben überlieferten Berufsunterlagen von Landschaftsarchitekt:innen nicht nur Aussagekraft zur Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft und können als akademisches Lehrmaterial dienen. Über die Funktion hinaus, Geschichte von Freiraum-Gestaltungen oder parkpflegerischen Tätigkeiten zu dokumentieren, seien sie als Reservoir erprobten Handlungswissens für gegenwärtige und kommende Aufgaben zu betrachten. Sie nannte beispielsweise die Erfahrungen von Richard Bödeker (1934–2019), Rose (1927–2015) und Gustav Wörner (1932–1997) sowie Peter Jordan (geb. 1936), die zu den Themenbereichen Bewässerungstechnik, Pflanzenverwendung, Bodenmeliorationen oder Gehölzqualitäten in Zeiten globaler Erderwärmung für Antworten heranzuziehen wären.

Sie verwies darauf, dass das CGL / die TIB Hannover mit den Lebenswerken der Büros Wörner und Jordan über einen besonderen, zusammenhängenden Bestand zur Gartendenkmalpflege verfüge: Deren Archivgut dokumentiere, wie sie in der frühen Bundesrepublik bis in die 1990er Jahre hinein in Nord und Süd die ursprünglich staatliche Aufgabe der Pflege jahrhundertealter Gärten für Freischaffende erschlossen und dabei Standards zu Methoden von Bewahrung und Pflege erarbeiteten.

Denkmalpflegerische Zielstellungen elementar für Inventarisationen

Krafczyk nannte historische Quellen elementare Grundlagen für die hoheitliche Inventarisation durch die Landesdenkmalpflege. Gerade bei historischen Gärten sei man in besonders auf solche Informationen angewiesen. Parkpflegewerke könnten beispielsweise nachvollziehbar machen, wie Anlagen über Jahrzehnte verändert, ergänzt und gepflegt worden seien. Ein grundsätzliches Problem bestehe jedoch darin, überhaupt Kenntnis von einschlägigen Unterlagen und Gutachten zu erhalten, sie aufzufinden und über Findbücher und andere Verzeichnisse erschließen zu können.

In diesem Zusammenhang machte sie auf das sogenannte Altinventar des NLD in Hannover aufmerksam. Dabei handele es sich um handschriftliche Arbeiten von Denkmalpfleger:innen, die in Regionen tätig waren. Dieser Bestand liege zwischen den publizierten frühen Inventaren des 19. Jahrhunderts und der systematischen Inventarisation seit den 1970er-Jahren. An seinem Beispiel warnte Krafczyk davor, historisch gewachsene Bestände ausschließlich nach heutigen objektbezogenen Fragestellungen aufzuteilen und dabei ihren ursprünglichen Zusammenhang zu verlieren. Solche Überlieferungen müssten deshalb auch in ihrer Gesamtheit für wissenschaftliche Fragestellungen erhalten bleiben, die heute noch gar nicht absehbar seien.