Prof. Christian Werthmann und Dr. Christian Corral Burau haben am 10. März 2026 ihre laufende Forschung am Earth Observation Research Cluster (EORC) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vorgestellt. Das Projekt zur Frage, wie die Gesundheit bei Menschen, Pflanzen und Tieren im urbanen Raum räumlich erfasst werden kann, ist Teil des Vorhabens Smart Transformation and Innovation Consortium Slovakia (STICS). Es wird von der Europäischen Union noch bis 2027 gefördert. Die Forschenden haben sich zum Ziel gesetzt, ein “One Health City Framework” sowie einen dazugehörigen Index zu entwickeln, mit dem Städte als sozial-ökologische Gebilde zu bewerten sind. Die Präsentation von „Pathways towards a Healthy City“ in Würzburg diente auch dazu, Möglichkeiten einer interdisziplinären Zusammenarbeit auszuloten und in einen weiteren Austausch mit dem EORC zu treten.
Städte sehen sich heute einer wachsenden Kombination von Belastungen ausgesetzt. Klimawandel, Biodiversitätsverlust und zunehmende soziale Ungleichheit verändern urbane Räume grundlegend und stellen herkömmliche Planungsansätze infrage. Wie die Referenten betonten, stoßen viele aktuelle Planungsstrategien an ihre Grenzen, wenn es darum geht, diese miteinander verflochtenen Herausforderungen in dichten und sich rasch wandelnden urbanen Systemen angemessen zu adressieren.
Städte als vernetzte Systeme
Um neu zu denken, wie Städte auf diese Entwicklungen reagieren können, stellten Christian Werthmann und Corral Burau das One Health City Framework vor – einen interdisziplinären Ansatz, der Perspektiven aus Ökologie, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Geoinformationssystemen (GIS), Anthropologie und Public Health zusammenführt. Das Modell versteht die Stadt als ein vernetztes System, in dem menschliche und nicht-menschliche Akteure sowie natürliche und gebaute Umwelt eng miteinander interagieren. Urbane Gesundheit entsteht in diesem Verständnis aus den Beziehungen zwischen diesen Komponenten und nicht aus isoliert betrachteten Einzelelementen.
Um dieses konzeptionelle Modell in ein praktisches Analyseinstrument zu überführen, entwickelten die Forschenden den One Health City Index, der eine räumliche Bewertung urbaner Gesundheitsbedingungen ermöglicht. Der Index bewertet städtische Umgebungen anhand von Indikatoren wie Erreichbarkeit, Umweltbelastung und Biodiversität und erlaubt Analysen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen – von der Gesamtstadt bis hin zu einzelnen Quartieren oder urbanen Räumen. Auf diese Weise lassen sich räumliche Defizite identifizieren, planerische Prioritäten sichtbar machen und Strategien zur Entwicklung resilienterer und nachhaltigerer Stadträume unterstützen.
Zentrale Bedeutung räumlicher Daten
Gerade für Forschende in den Bereichen Erdbeobachtung und Geodatenanalyse macht der Ansatz die zentrale Bedeutung räumlicher Daten und Analysen für das Verständnis und die Verbesserung urbaner Gesundheit deutlich. Durch die Verknüpfung von Landschaftsarchitektur mit räumlicher Analyse und Umweltmonitoring bietet das One Health City-Konzept einen vielversprechenden Rahmen, um Gestaltung, Daten und Nachhaltigkeit in der zukünftigen Stadtplanung zusammenzuführen.
Der Vortrag eröffnete eine anregende Perspektive darauf, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Städte als komplexe sozio-ökologische Systeme neu zu denken. Zugleich zeigte er, wie Erdbeobachtung und räumliche Analysen die Entwicklung gesünderer und widerstandsfähigerer urbaner Umwelten im Kontext des fortschreitenden globalen Wandels unterstützen können. Darüber hinaus entstand eine engagierte Diskussion unter den Teilnehmenden, geprägt von zahlreichen Fragen und Reflexionen aus dem Publikum.