Das Institut für Landschaftsarchitektur der LUH hat in der Pfingstwoche (10.-14.06.2025) einen ersten von zwei intensiven „Kompaktkursen Gartendenkmalpflege“ durchgeführt, die einen berufsrelevanten Einstieg in Theorie und Praxis zur Erhaltung historischer Gärten bieten. Prof. Dr. Inken Formann und Prof. Dr. Michael Rohde führten 17 Studierende unter der Fragestellung „Was macht einen Garten zum Denkmal und was sind die Aufgaben von Landschaftsarchitekt:innen im Kontext des Gartenerbes?“ in fünf Tagen umfassend durch alle Bereiche der Denkmalmethodik. Der Schwerpunkt des Moduls lag – in Übungen und Dialogen – auf dem „Selber-Lernen“ der Teilnehmenden. Dazu nahmen Formann und Rohde die Seminargruppe ins Umfeld des Institutes: in die Fakultätsgärten, den Georgengarten und in den Großen Garten Hannover-Herrenhausen.
Gartendenkmalpflege am Objekt zu verstehen und sie in den eigenen Erfahrungsraum einzubinden war das Ziel des Vorhabens. Die konzentrierte Vielfalt der grünen Kulturdenkmale in Herrenhausen bietet die besten Voraussetzungen. Zudem kommen beide Lehrende aus der Praxis: Formann leitete bis 2023 die Parks und Gärten der hessischen Schlösserverwaltung. Rohde war langjähriger Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und unterstützt in diesem Jahr die Lehre für angehende Landschaftsarchitekt:innen.
In die Geschichte einsteigen, prüfen, analysieren und handeln wie im Berufsalltag
Am ersten Tag wurden die bekannten Gras-Pyramiden vor dem Institutsgebäude, welche Entwürfe des Schweizer Landschaftsarchitekten Ernst Cramer (1898–1980) zitieren, besichtigt und analysiert. Planungsaufgaben und Erhaltungsbemühungen im Georgengarten waren am zweiten Tag das Thema. Rohde erläuterte die Denkmalmethodik anhand des Parkpflegewerks Georgengarten (drei Teile 1987-1991), welches er als ehemaliger Mitarbeiter der LUH mit dem Landschaftsarchitekten Ruprecht Dröge (Auftragnehmer) erarbeitet hatte. Weiteren fachlichen Input steuerte der Architekturhistoriker Prof. Dr. Markus Jager bei, mit Details zur Baugeschichtsforschung der Lavesbrücken im Georgengarten und an der Graft.
Am Beispiel des Staudenhofs in der Herrenhäuser Straße 2 erprobten die Studierenden am Folgetag in Gruppenarbeiten, wie eine denkmalpflegerische Zielstellung zu erarbeiten ist. Sie ermittelten Grundlagen und führten eine Bestandsaufnahme durch, sie warfen einen Blick auf die Historie des Gartens und formulierten anschließend beispielhafte Bewertungsargumente und Maßnahmen. Karin Degenhardt und Sebastian Schwinge, beide Landschaftsarchitekten bei den Herrenhäuser Gärten, unterstützten mit ihrem Fachwissen zum Großen Garten und mit Informationen zu aktuellen gartendenkmalpflegerischen Projekten, darunter die Rückführung des Orangenhofes und des Gartentheaters in ihre jeweiligen barocken Zustände.
Den Wert historischer Gärten vermitteln
Neben vielen geschichtlichen Aspekten stand der Blick in die Zukunft im Fokus. Aus welchem Grund werden historische Gärten im gesellschaftlichen Auftrag fachlich restauriert? Warum lohnt es sich, Blumenrabatte mit aufwändigem Wechselflor zu bepflanzen? Wie definiert sich öffentliches Interesse? Welche Chancen und Pflichten sind mit der Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe verbunden? Wie sehen Berufsfelder in der Gartendenkmalpflege aus und welche Kompetenzen werden gebraucht? Fragen wie diese wurden immer wieder mit den Lehrenden diskutiert, die vielfältige Exempel aus ihrem Erfahrungswissen einbrachten. So entwickelten die Studierenden ein Grundlagenwissen der Gartendenkmalpflege für schlagkräftige Argumente, die sie in den späteren Beruf mitnehmen können, um zukünftig für ein großes Wertespektrum historischer Gärten einzustehen.
Vom 18.-22.08.2025 wird das Kompaktseminar nochmals in gleicher Personenkonstellation angeboten. Derzeit sind 5 der 20 verfügbaren Plätze noch frei. Studierende, die Interesse haben, melden sich gerne bei Prof. Dr. Inken Formann oder dem Wissenschaftlichen Mitarbeiter Michel Eckert im Lehr- und Forschungsgebiet Geschichte der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege. Eine nachträgliche Anmeldung ist bis zum 10.08.2025 möglich.
Text: Genia Wackerhahn